Fakten

Rabattitis

Rabattitis ist die dauerhafte Rabattstrategie eines Möbelhauses, die die Marge frisst und den Kunden aufs Feilschen erzieht.

Rabattitis: Kerndaten

Art
Begriff für ein Muster im Möbelhandel
Betrifft
Preisstrategie, Marge, Kundenerwartung
Kennzeichen
Dauerhaft und strukturell, nicht der Einzelfall
Abgrenzung zu
Nachlass im Abschlussgespräch

Rabattitis ist die dauerhafte Rabattstrategie eines Möbelhauses. Aus Unsicherheit wird nachgelassen, statt den Wert zu verkaufen. Der Kunde lernt zu feilschen, die Marge sinkt, und das Haus kommt aus der Spirale kaum wieder heraus.

Rabattitis wirkt wie eine Sucht. Wer einmal angefangen hat, kann schwer aufhören, weil der Umsatz sofort einbricht, sobald die Rabatte wegfallen.

Rabattitis: Abgrenzung

Die Trennlinie verläuft zwischen der Ansage an alle und dem Zugeständnis an einen.

Rabattitis klingt so: „Wir geben 30 Prozent auf alles, außer auf Tiernahrung.” Der Nachlass ist angekündigt, gilt für jeden und steht schon in der Werbung. Der Kunde muss nichts dafür tun, und niemand im Haus entscheidet ihn noch.

Ein Einzelnachlass klingt so: “Sie sind Stammkunde, da können wir für Sie noch mal etwas tun.” Er fällt im Gespräch, er gilt diesem einen Kunden, und er hat einen Grund. Das bleibt ein Verkaufswerkzeug.

Der Weg zurück ist steil. Ein amerikanischer Einzelhändler stellte 2012 von Rabattaktionen auf Festpreise um. Der Umsatz fiel um 25 Prozent, das Unternehmen verlor fast eine Milliarde Dollar, und der verantwortliche Vorstand seinen Posten.

Was die Rabattitis nicht ist

  • Rabattitis ist nicht der einzelne Nachlass im Abschlussgespräch. „Sie sind Stammkunde, da können wir für Sie noch mal etwas tun“ ist ein Verkaufswerkzeug. „Wir geben 30 Prozent auf alles“ ist Rabattitis.
  • Rabattitis ist kein Kalkulationsproblem allein. Der Wareneinsatz wird primär durch die Kalkulation bestimmt, nicht durch den einzelnen Nachlass.
  • Rabattitis ist keine Preisstrategie für Marken mit Alleinstellung. Für Apple, Rolex oder Porsche ist es sinnvoll, keine Rabatte zu geben. Für ein Möbelhaus ist der Weg zurück ungleich schwerer.

Rabattitis: Zitierfähige Definition

Rabattitis ist die dauerhafte Rabattstrategie eines Möbelhauses, die die Marge frisst und den Kunden aufs Feilschen erzieht.

Rabattitis: Häufige Fragen

Warum kommt ein Möbelhaus aus der Rabattitis nicht wieder heraus?

Der Umsatz bricht sofort ein, sobald die Rabatte wegfallen. Die Kunden haben gelernt zu warten und zu feilschen. Wer aussteigen will, muss den Einbruch aushalten.

Sind Rabatte im Möbelverkauf grundsätzlich falsch?

Nein. Ein Zugeständnis im Abschlussgespräch wirkt und ist ein Verkaufswerkzeug. Rabattitis bezeichnet die Dauerlösung, nicht den Einzelfall.

Was ist der Unterschied zwischen Rabattitis und einem Nachlass im Abschluss?

Der Nachlass fällt im einzelnen Gespräch, gilt einem Kunden und hat einen Grund: Sie sind Stammkunde, da können wir für Sie noch mal etwas tun. Rabattitis ist die Ansage an alle: Wir geben 30 Prozent auf alles, außer auf Tiernahrung.

Rabattitis: Quellen und Stand

Weiterführend

  • Nettovermarkter — Ein Möbelhaus mit festen Preisen statt Streichpreisen